06.08.2019 08:45

Warum wird Defizit verheimlicht?

Aufgrund des Zeitungsberichtes «Andreas Steffen in Vorstand gewählt» in der NOZ-Ausgabe vom 17. Juli, könnte man meinen, es sei eine ruhige Generalversammlung gewesen. Zudem fehlen in diesem aus meiner Sicht unerlässliche Informationen, zum Beispiel Zahlen zur Jahresrechnung und Anträge wurden nicht erwähnt. Unter Traktandum "Wahlen" erlaubte ich mir, ein in Wangen verwurzeltes und gut vernetztes Treuhandbüro anstelle der demissionierenden Kofmel Treuhand AG vorzuschlagen. Darauf folgten gehässige Reaktionen. Ich machte deutlich, nichts gegen die vom Vorstand vorgeschlagene HTO Treuhand AG, Olten, zu haben; dies sei sicher eine gute Firma, seit über 35 Jahren. Zwar verfüge das Wangner Treuhandbüro mit den eidgenössisch diplomierten Treuhandexperten unbestrittenermassen mehr als die notwendigen Qualifikationen, aber der Vorstand habe anders entschieden. Es folgte ein Tohuwabohu. Man wollte mir das Wort entziehen, ich sei nicht im Besitze einer Wahlannahmeerklärung. Nach heftigen Voten durfte ich dann widerwillig zum Antrag etwas sagen. Insbesondere stellte ich die Frage: Warum hat sich der Vorstand geweigert, der Generalversammlung einen Zweiervorschlag zu unterbreiten, die HTO Treuhand AG und das Wangner Treuhandbüro? Diese musste ich selber beantworten. Die Geschäftsführerin des Wohnheims Bethlehem, Judith Jegge, habe einen Nebenjob als Stiftungsratspräsidentin der Stiftung Kind und Familie KiFa Schweiz mit Sitz in Zofingen. Über diesen habe sie nie weder Vorstand noch Präsident orientiert, was mindestens angebracht gewesen wäre, immerhin könnte ein solcher Nebenjob auch personelle Auswirkungen (Abwesenheiten) haben. Im Vorwort des Jahresberichts der KiFa bedanke sich Frau Jegge beim Treuhandbüro Steffen AG, Zofingen, «ganz herzlich für die wertvolle Zusammenarbeit». Bemerkenswert: Andreas Steffen vom gleichnamigen Treuhandbüro ist just von Generalversammlung in den Vorstand des Vereins Wohnheim Bethlehem gewählt worden. Last but not least stamme der Revisionsbericht des KiFa-Jahresberichts von der: HTO Treuhand AG. Wohl im Affekt bezeichnete ich diese persönlichen Verflechtungen als «Sau-Häfeli, Sau-Deckeli». Abstimmung: HTO Treuhand AG wurde als neue Revisionsstelle gewählt. Nach der Versammlung wurde mir erklärt, das von mir vorgeschlagene Treuhandbüro verfüge über keine Erfahrung mit GAAP FER (ein seit 2015 gültiger Rechnungsstandard). Auch wenn dem so wäre, denke ich, als eidgenössisch diplomierte Treuhandexperten wäre dieses ohne Weiteres befähigt gewesen, einen Kleinbetrieb mit lediglich etwa 20 Vollzeitstellen zu revidieren.

Ich mache mir Sorgen um die Existenz des Wohnheims Bethlehem, schreibt doch dieses im Jahr 2018 erneut ein Defizit. Deshalb reichte ich zuhanden der Generalversammlung den schriftlichen dringlichen Antrag mit Begründung ein: der Generalversammlung sei ein Finanzplan für die Jahre 2020-2022 vorzulegen. Dieser wurde an der Generalversammlung nicht erwähnt, so erlaubte ich mir, danach zu fragen. Das löste ungehaltene Reaktionen aus. Man wolle den Antrag nicht, dieser sei unnötig. Es wurde sofortige Abstimmung verlangt, ob man den Antrag behandeln will respektive ob ich dazu etwas sagen dürfe. Ich durfte nicht, der Antrag wurde lautstark abgelehnt. Der Kanton (das Amt für soziale Sicherheit, ASO) als Aufsichtsbehörde verlangt bei der erstmaligen Betriebsbewilligung einen Finanzplan. Er erachtet aber einen solchen zur Steuerung einer Institution immer als sinnvoll, da Fehlentwicklungen früher erkannt werden können.

Zur Jahresrechnung 2018 war im Zeitungsbericht zu lesen, diese sei akribisch kontrolliert und vorgestellt worden. Aber leider stand nicht, über was die Versammlung abgestimmt hatte: über ein Defizit von rund 128'000 Franken. Auch sei über das Budget 2019 orientiert worden. Eigentlich wie bei jedem Verein an der Generalversammlung üblich, aber hier vermisste ich wenigstens eine Zahl: voraussichtlicher Verlust 147'443 Franken.

Walter Husi, Hägendorf, ehemaliges Vorstandsmitglied des Vereins Wohnheim Bethlehem