Bild: Beat Wyttenbach 
An den Hörnern packen: Der stellvertretende Revierförster Ruedi Kissling (links) wurde von Bürgergemeindepräsident Otto Jäggi mit diesem Steinbock aus Weymouhtsföhrenholz geehrt.
1/3 Bild: Beat Wyttenbach An den Hörnern packen: Der stellvertretende Revierförster Ruedi Kissling (links) wurde von Bürgergemeindepräsident Otto Jäggi mit diesem Steinbock aus Weymouhtsföhrenholz geehrt.
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Rehkitz-Ortung: Markus Ullmann (links) und Andreas Brändli demonstrieren, wie das Flugobjekt (zwischen den beiden Jagd-Warndreiecken) zum Einsatz gelangt.
2/3 Bild: Beat Wyttenbach Rehkitz-Ortung: Markus Ullmann (links) und Andreas Brändli demonstrieren, wie das Flugobjekt (zwischen den beiden Jagd-Warndreiecken) zum Einsatz gelangt.
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Beim Kieswerk: Bürgergemeindepräsident Otto Jäggi (Mitte) begrüsst die Teilnehmenden.
3/3 Bild: Beat Wyttenbach Beim Kieswerk: Bürgergemeindepräsident Otto Jäggi (Mitte) begrüsst die Teilnehmenden.
11.09.2019 08:00

Rehkids dank Drohnen vor Mähtod gerettet

Letztmals hatte die Bürgergemeinde Boningen 2014 zu einem Waldgang eingeladen; nun war es wieder so weit: Bürgergemeindepräsident Otto Jäggi konnte rund 80 Teilnehmende beim Kieswerk zum diesjährigen Anlass begrüssen.

Boningen Nach einer kurzen Einführung und der Vorstellung des Teams des Zweckverbandes Forst Mittleres Gäu, zu dem auch Boningen zählt, ging es zum ersten Posten: Revierförster Stefan Probst brachte den Anwesenden in der angrenzenden «Studenweid» die Rechte und Pflichte privater Waldbenutzer nahe. «Eine Verpflichtung zur Nutzung gibt es nicht», so der Revierförster, jedoch müssten die Waldbesitzer das Begehen, das Sammeln von Pilzen oder die Jagd dulden. Und falls der Kanton sie anweise, müssten sie einzelne Bäume (etwa wegen Schädlingsbefalls) roden lassen. Die Eigentumsgrenzen, so war weiter zu erfahren, seien zumeist durch Marksteine festgelegt.

Beim zweiten Posten stellte der stellvertretende Betriebsleiter Ruedi Kissling die durch den Kiesabbau erfolgten Veränderungen in den Gebieten «Ischlag» und «Dreiangel» vor. Das Gelände sei in den letzten 20 Jahren aufgeschüttet, topographisch verändert und neu bepflanzt worden; betroffen sind 20 Hektaren. Die Bepflanzung sei mit Bäumen erfolgt, die für abbaubares Laub und damit natürlichen Dünger sorgen. Er erwähnte namentlich Linde, Hagebuche, Vogelbeerbaum, Mehlbeerbaum, Eiche und Buche. «Die Zukunft gehört südlichen, wärmeliebenden Arten wie Edelkastanie und Nussbaum», so Kissling. Die gefährdete Fichte wolle man aber wegen ihres hohen Marktwertes dennoch vereinzelt beibehalten. 10‘000 bis 12‘000 Bäume würden jährlich in den ehemaligen Kiesabbaugebieten von Boningen, Gunzgen und Härkingen neu gepflanzt.

Beim dritten Posten, den die Jagdgesellschaft Gäu betrieb, konnten die Anwesenden zusehen, wie mittels Drohnenflug Rehkitze geortet und in der Folge auch gerettet werden können, die in hohem Gras liegen, welches gemäht werden soll. Ein Jagdhund in einem Maisfeld simulierte dabei ein Rehkitz; auf dem Computer konnten die Teilnehmenden verfolgen, wie das Zielobjekt geortet wird. Die Drohne, so Andreas Brändli und Markus Ullmann, ist mit gegen 20 km/h unterwegs und über eine Sendefrequenz-Reichweite von drei Kilometern steuerbar. «Im letzten Jahr konnten wir auf diese Weise vier bis sechs Kitz vor dem sicheren Mähtod retten», erklärten sie.

Posten Vier schliesslich stand unter dem Motto «Biotopbäume»: Der Kanton hat auf Boninger Gebiet vier Eichen und zwei Buchen gekauft und so vor dem Fällen bewahrt. Mit diesen Baumpatenschaften, erklärte Kreisförsterin Veronika Röthlisberger, könne das Überleben zahlreicher Tiere wie Mittelspecht, Rüssel- und Prachtskäfer, Eichengipfelfalter, Eichenseidenspinner oder Pilzen wie Mehltau oder Eichenrotkappe gesichert werden: «Diese Lebewesen sind alle auf alte Bäume angewiesen, welche sich selbst überlassen werden. Bei diesen Biotopbäumen handelt es sich um ein Mehrjahresprojekt des Kantons».

Danach wurde Ruedi Kissling für seine über 32-jährige Tätigkeit geehrt; Ende Oktober tritt er in den Ruhestand. Er erhielt aus den Händen der Bürgergemeinde einen Steinbock aus Weymouthsföhrenholz, geschaffen durch die Hände des Wolfwiler Holzkünstlers Simon Nünlist. «Ruedi Kissling hat seinen Wald stets mit Hingabe gepflegt», so Bürgerpräsident Otto Jäggi. Der Steinbock biete einen Bezug zum Bündnerland, wo sich Kissling oft aufhalte. Den traditionellen Abschluss bildete der von der Bürgergemeinde offerierte und von der Crew des Restaurant St. Urs zubereitete reichhaltige Imbiss.

Beat Wyttenbach