Bild: Céline Bader
Ronny Keller an seinem Arbeitsort in Uster.
1/1 Bild: Céline Bader Ronny Keller an seinem Arbeitsort in Uster.
13.08.2019 15:00

«Ich habe viel Schönes erlebt und würde nichts daran ändern»

Sechs Jahre ist es her, seit Ronny Keller bei einem Eishockeymatch verunfallte. Seither ist der 39-Jährige querschnittgelähmt und bewältigt seinen Alltag im Rollstuhl. Sein Leben hat der ehemalige EHCO-Spieler im Griff, auch wenn ihn dieses mit kleinen und grossen Herausforderungen oft auf die Probe stellt.

Olten Der Schock sass tief, als Ronny Keller vor sechs Jahren beim Playoff-Halbfinal gegen den SC Langenthal kopfüber in die Bande flog und von den Sanitätern abtransportiert werden musste. Wenige Tage später hatte der EHCO-Spieler Gewissheit: Er würde nie wieder gehen können. «Die Rehabilitationsphase war eine sehr schwierige Zeit, an welche ich mich aber noch sehr genau erinnern kann», so der 39-Jährige. Auch psychisch und emotional musste Ronny Keller zuerst mit seiner neuen Lebenssituation klarkommen: «Es gab viele sehr schlechte Tage. Die Gefühle sind gemischt, man fragt sich manchmal schon, wie man es hätte verhindern können. Aber ich habe sehr viele liebe Menschen um mich herum gehabt, die mir dabei geholfen haben. Schlechte Tage, schlechte Zeiten sind nach einem solchen Unfall normal.» Auch haben die Medien einen Schritt weit geholfen, über das Geschehen hinwegzukommen: «Durch das ständige Erzählen habe ich den Unfall irgendwie verarbeitet und mir somit einen Psychiater erspart.»

Nach seinem Unglück kam Keller nach Nottwil in das Paraplegikerzentrum. Dort lernte er den Umgang mit dem Rollstuhl und die selbstständige Versorgung. Auch in die Fahrstunden musste der 39-Jährige wieder: «Ich fahre heute überall mit dem Auto hin. Dank eines Autoumbaus ist dies möglich.» Wohnhaft ist er in Volketswil.

Beruflich angekommen

Im Berufsalltag ist Ronny Keller seit 2009 im selben Betrieb tätig: Schon als EHCO-Spieler arbeitete er in einem Treuhandbüro in Uster, heute ist er dort zu 50% angestellt und erst kürzlich zum Partner geworden. Ein 100%-Pensum wäre für den 39-Jährigen allerdings nicht möglich: «Ich brauche am Morgen viel länger Zeit als eine Person ohne Handicap. Zudem trainiere ich gemeinsam mit einer Physiotherapeutin an meiner Fitness.» Diese sei für Keller von enormer Wichtigkeit, könne er doch so seinen Gesundheitszustand aufrechterhalten. Das Training sei zwar anstrengend, bringe ihm aber viel. Auch neben den obligatorischen Betätigungen lässt sich Keller sportlich nicht einschränken; er spielt regelmässig Tennis in Aarau und hat so einen Ausgleich gefunden. Auch das habe seine Zeit gebraucht: «Ich habe viele Sportarten ausprobiert, bis ich auf die richtige gestossen bin. Vieles will man einfach nicht mehr machen, wenn man es früher schon gespielt hat und nun nicht mehr auf demselben Level ausüben kann.» Auch das Geschehen im Eishockey verfolgt Keller noch immer; jedoch nicht mehr so verbissen wie früher: «Es ist auch okay, wenn ich mal ein Spiel verpasse. Die Prioritäten haben sich nunmal geändert.»

Nicht immer einfach

Obwohl sich Ronny Keller an die neuen Umstände gewöhnt hat, stösst er in gewissen Situationen immer noch an seine Grenzen. Auch schlechte Tage gehören dazu: «Es gibt Sachen, welche nie mehr lustig werden, welche im Rollstuhl ganz einfach nicht funktionieren und die ich auch nie mehr machen kann. Ich probiere mich mental selbst zu motivieren, aber ich will den Umstand, dass ich im Rollstuhl sitze, nicht beschönigen. Es ist nun mal einfach so.» Auf seine Zeit beim EHCO schaut Ronny Keller gerne zurück: «Ich habe viel Schönes erlebt und würde nie etwas daran ändern. Auch anderen Sportlern rate ich nicht von ihrem Vorhaben ab, nur weil mir etwas passiert ist.»

Von Céline Bader