09.09.2019 07:36

Alles richtig und doch falsch gelaufen!

Wenn angeblich alles richtig gemacht wurde, aber trotzdem schreckliche Dinge geschehen, dann ist etwas ziemlich schief gelaufen. Der Untersuchungsbericht zum Fall des "Kinderschänders von Starrkirch-Wil" hat mich schockiert und empört. Schockiert, weil ein pädophiler Sexualstraftäter, der sich hartnäckig allen Therapieversuchen widersetzt, aus dem Vollzug entlassen wurde und prompt weiteren Kindern die sexuelle Unversehrtheit raubte. Und empört, weil sich offensichtlich die beteiligten Behörden im Dschungel der Gesetze und Vorschriften verheddert haben.

Es ist zwar löblich, dass der Kanton Solothurn den Fall William W. durch externe Experten hat untersuchen lassen. Doch das Ergebnis ist nicht beruhigend – ganz im Gegenteil. Und die Regierung macht es sich zu einfach, wenn sie sich darauf beruft, dass nach der Meinung der Experten im rechtlichen Sinn «alles richtig» gelaufen sei. Wenn das bedeutet, dass ein therapieresistenter, als stark rückfallgefährdet eingeschätzter Mann auf freien Fuss gesetzt wird und in der Nähe eines Kinderspielplatzes ein Restaurant übernehmen darf, dann kann doch nicht alles richtig sein. Und wenn verschiedene Behörden um die Gefährlichkeit des Mannes wussten, aber trotzdem nichts unternehmen konnten, dann läuft ohne Zweifel verschiedenes falsch.

Das muss sich schleunigst ändern: die durch den Solothurner Fall offensichtlich gewordenen Lücken im System müssen schnellstens geschlossen werden. Auch ich werde in der kommenden Session dem Bundesrat dazu Fragen stellen. Dabei hat für mich der Kinderschutz oberste Priorität. Ich will wissen, was der Bund wie schnell zu tun gedenkt, um zu verhindern, dass sich ein solcher Fall wiederholt. Solche Vorfälle untergraben das Vertrauen der Bevölkerung in unser Justizsystem, bringen unsere Institutionen in Misskredit und wecken dumpfe Animositäten. Wenn alles nach den geltenden Regeln richtig gelaufen ist und es so schrecklich aus dem Ruder läuft, dann müssen die Regeln angepasst werden. Und zwar dringend! Der Schutz der Kinder muss Priorität haben!

Bea Heim, Starrkirch-Wil